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Arbeitssucht

Was ist Arbeitssucht?

Trotz seiner weiten Verbreitung ist der Terminus "Arbeitssucht" bislang nicht in die offizielle psychiatrische und psychologische Begriffswelt eingegangen. Einen Grund dafür stellt die uneinheitliche Verwendung dieser Bezeichnung dar. Über das anerkannte Definitionsmerkmal hinaus, dass arbeitssüchtige Menschen außerordentlich viel in ihre Arbeit investieren und andere Lebensbereiche vernachlässigen, existiert keine einheitliche Bestimmung des Terminus "Arbeitssucht".

Das Fehlen einer Kategorie "Arbeitssucht" in den einschlägigen Manualen (z. B. ICD-10 und DSM-VI) hat zur Folge, dass Symptome und Konsequenzen, die aus Arbeitssucht resultieren, nicht als solche erkannt und behandelt werden.

Auf Grund der defizitären Forschungslage kann bislang lediglich eine operationale Definition der Arbeitssucht formuliert werden, welche sich an ausgewählten Indikatoren nicht-stoffgebundener Süchte orientiert. Danach ist unter Arbeitssucht eine Symptomatik zu verstehen, die sich primär durch folgende Kriterien kennzeichnen lässt (Poppelreuter; Evers 2000, 74):

  • Verfall an das Arbeitsverhalten (die Zentrierung des gesamten Vorstel-lungs- und Denkraumes auf die Arbeit)
  • Kontrollverlust (die Unfähigkeit, Umfang und Dauer des Arbeitsverhaltens zu bestimmen)
  • Abstinenzunfähigkeit (es wird subjektiv als unmöglich erlebt, kürzere oder längere Zeit nicht zu arbeiten)
  • Auftreten von Entzugserscheinungen bei gewolltem oder erzwungenem Nicht-Arbeiten (bis hin zu vegetativen Symptomen)
  • Toleranzentwicklung (zur Erreichung angestrebter Gefühlslagen/Bewusst-seinszustände muss immer mehr gearbeitet werden)
  • Auftreten psychosozialer und/oder psychoreaktiver Störungen

Gesellschaftlicher Stellenwert der Arbeit

Ein Problem in der Auseinandersetzung mit der Arbeitssuchtproblematik ergibt sich aus dem hohen Stellenwert der Arbeit in unserer Gesellschaft.

"Ohne Fleiß kein Preis", "Arbeit macht das Leben süß" – seit ca. einem Jahrhundert ist es eines der wichtigsten Erziehungsziele, Geld und Geltung aus der eigenen Arbeit zu erlangen. Fleiß, Tüchtigkeit und Erfolg werden als Tugenden der Leistungsgesellschaft definiert und entsprechend honoriert. Der Widerspruch, dass diese höchst anerkannten Tugenden Ausdruck einer Krankheit sein können, führt zu erheblichen Vorbehalten gegenüber der Thematik der Arbeitssucht, die so weitreichend sein können, dass manche Menschen sich stolz als süchtig nach ihrer Arbeit bezeichnen.

Sowohl Erfahrungsberichte als auch empirische Untersuchungen zeigen, dass arbeitssüchtiges Verhalten gleichermaßen bei Frauen und Männern auftritt und nicht auf bestimmte Berufe oder Positionen beschränkt ist.