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Spielsucht

Was ist Spielsucht?

Wenn auf dieser Homepage über das Spielen gesprochen wird, so wird darunter die Teilnahme an einem legalen oder illegalen Glücksspiel verstanden, also an einem Spiel, das mit einem Geldeinsatz verbunden ist, das ein Risiko des Geldverlustes beinhaltet und dessen Ausgang ausschließ-lich oder vorwiegend vom Zufall abhängt. Beispiele sind Geldspielautomaten, Lotto, Roulette, Brief- und Rubellose sowie Kartenspiele mit Geldeinsätzen.

Anzumerken ist, dass auch das Spekulieren an der Börse Glücksspiel-charakter annehmen und zu ähnlichen Entwicklungen führen kann wie die Teilnahme an Glücksspielen.

Im Jahr 1991 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das pathologische Spielen in ihre "Internationale Klassifikation Psychischer Störungen" (ICD-10) aufgenommen.

Demnach besteht die Störung in häufig wiederholtem episodenhaften Glücksspiel, das die Lebensführung der betroffenen Personen beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.

Die Betroffenen setzen – im wahrsten Sinne des Wortes – ihren Arbeitsplatz auf das Spiel, machen hohe Schulden und lügen oder handeln ungesetzlich, um an das Geld zu kommen oder die Bezahlung der Schulden zu umgehen. Von den Betroffenen wird ein intensiver, kaum kontrollierbarer Spieldrang beschrieben. Daneben steht die gedankliche und bildliche Vorstellung des Spielvorganges und seiner Begleitumstände im Vordergrund. Die gedankliche Beschäftigung und die Drangzustände verstärken sich häufig in belastenden Lebenssituationen.

Als diagnostische Hauptmerkmale pathologischen Spielens werden von der WHO folgende Merkmale aufgeführt:

  • Dauerndes, wiederholtes Spielen
  • Anhaltendes und oft noch gesteigertes Spielen trotz negativer Konsequenzen, wie Verarmung, gestörter Familienbeziehungen und Zerrüttung der persönlichen Verhältnisse.

Die US-Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft hat das pathologische Glücksspiel bereits im Jahr 1980 in ihrem Diagnoseschlüssel, das "Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen" (DSM) aufgenommen. In ihrer aktuellsten Version (DSM-IV) definiert sie das pathologische Glückspiel als andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in mindestens fünf der folgenden Merkmale ausdrückt:

  • Der Spieler bzw. die Spielerin ist stark eingenommen vom Glücksspiel (etwa starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunterneh-mungen, Nachdenken über Wege, Geld zum Spielen zu beschaffen);
  • Er/sie muss mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen;
  • hat wiederholt erfolglose Versuche unternommen, das Spielen zu kontrol-lieren, einzuschränken oder aufzugeben;
  • ist unruhig und gereizt beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben;
  • spielt, um Problemen zu entkommen oder um eine dysphorische Stimmung (z.B. Gefühle der Hilflosigkeit, Schuld, Angst, Depression) zu erleichtern;
  • kehrt, nachdem er/sie beim Glückspiel Geld verloren hat, oft am nächsten Tag zurück, um den Verlust auszugleichen (dem Verlust "hinterherjagen");
  • belügt Familienmitglieder, Therapeuten oder andere, um das Ausmaß seiner Verstrickung in das Spielen zu vertuschen;
  • hat illegale Handlungen wie Fälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung begangen, um das Spielen zu finanzieren;
  • hat eine wichtige Beziehung, seinen Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Aufstiegschancen wegen des Spielens gefährdet oder verloren;
  • verlässt sich darauf, dass andere ihm/ihr Geld bereitstellen, um die durch das Spielen verursachte hoffnungslose finanzielle Situation zu überwinden.

Das pathologische Spielen ist abzugrenzen von gewohnheitsmäßigem Spie-len. Die gewohnheitsmäßigen SpielerInnen spielen wegen der aufregenden Spannung oder versuchen damit Geld zu verdienen; bei schweren Verlusten oder anderen negativen Auswirkungen schränken sie jedoch ihre Gewohnheit ein.

Die gestiegene Behandlungsnachfrage von süchtigen Spielern, die weltweit zu erkennen ist, hat die politische, wissenschaftliche und therapeutische Ausei-nandersetzung mit der Spielsucht vorangetrieben und die Akzeptanz als psychische Störung gefördert.

Ausmaß der Spielsucht in Österreich

Die meisten Menschen nehmen nur gelegentlich an Glücksspielen teil (mit Ausnahme der halbwöchentlichen Lottoziehung, an der bis zu 80 % der ÖsterreicherInnen teilnehmen).

Die Ergebnisse der ersten, umfassenden „Österreichischen Studie zur Prävention der Glücksspielsucht“ (veröffentlicht im Mai 2011) zeigen, dass, 0,4 % aller Befragten ein problematisches und 0,7 % ein pathologisches Spielverhalten nach DSM-IV aufweisen. Das sind insgesamt etwa 64.000 Personen. Nimmt man nur die Zahl jener, die im vergangenen Jahr an einem Glückspiel teilgenommen haben, so weisen 1% der Personen ein problematisches und 1,6 % ein pathologisches Spielverhalten auf.

Das größte Gefährdungspotential der in Österreich angebotenen Glücksspiele besitzen die Glückspielautomaten, gefolgt von Sportwetten und mit deutlichem Abstand die klassischen Casinospiele.

Kurzfassung der im Mai 2011 präsentierten Studie: Glücksspielstudie [44 kB]

Hinweis: Die in Buchform erschienene Studie steht in unserer Fachbibliothek zur kostenlosen Entlehnung zur Verfügung. Sie können die Publikation zu einem Preis von € 24,90 (bei Postversand zuzüglich € 3,50 Versandkosten) am Institut Suchtprävention auch käuflich erwerben.

Folgen für die Allgemeinheit

Die wirtschaftlichen Folgen des Glücksspiels belasten sowohl die Spieler und ihr soziales Umfeld als auch die Allgemeinheit: Schulden, Existenzverluste, Firmenzusammenbrüche, Kosten für Strafverfahren und Strafvollzug, Behandlungs- bzw. Therapiekosten, Kosten welche durch den Ausfall der Arbeitsleistung und durch notwendige Hilfen zum Lebensunterhalt der Betrof-fenen entstehen fallen hierunter.

Für Österreich liegen bisher keine Berechnungen über volkswirtschaftliche Kosten des pathologischen Glückspiels vor. In Kanada belaufen sich die Schätzungen auf ca. 56.000 kanadische Dollar (rund 35.000 Euro) pro Jahr und SpielerIn. Für die USA liegt eine Kostenschätzung vor, nach der allein durch den Produkti-vitätsausfall, die etwaige Strafverfolgung und Inhaftierung sowie die miss-bräuchliche Verwendung von Geld jährlich Gesamtkosten von durchschnittlich ca. 30.000 US-Dollar pro SpielerIn anfallen.

Wenn pathologische SpielerInnen nicht behandelt werden, steigen die indivi-duellen und sozialen Kosten von Jahr zu Jahr.

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